Auf dem Kriegspfad

From A Book of Quotations

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von Peter Ristau (1999)
Sächsische Indianer im wenig glaubhaften Einsatz   (Schludrige Rezension)

Ein interessanter deutsch-indianischer Krimifilm; „indianisch“, weil es ein kurioses Phänomen darstellt, das man in Europa wohl besonders mit Deutschland und darin besonders mit Sachsen, also mit Karl May wird verbinden können: erwachsene Menschen verkleiden sich als Indianer, spielen Indianer. Man würde meinen, dies sei eine Beschäftigung für Kleinkinder, aber nein, in diesem Film sehen wir meistens ältere Menschen, darunter einen hochgebildeten Maler, oder erwachsene junge Menschen, wie sie Indianer nachahmen. Kein einziges Kind, auch kein(e) Jugendliche(r) tritt in diesem Film über „deutsche Indianer“ auf. Dies kann auch als Hinweis verstanden werden, dass Indianerspiele heutzutage bereits etwas Altmodisches sind.

Man muss schon anerkennen, dass der Film vom technischen Standpunkt her sehr gut gedreht ist; Kameraeinstellungen sind interessant und abwechslungsreich; sehr schöne Detailaufnahmen von Gesichtern der handelnden Figuren wechseln immer wieder mit Dresden-Stadtbildern oder mit Flugaufnahmen der herrlich grünen sächsischen Landschaft, wie auch, in einigen Traum- und Wahnsequenzen, einer mythisch anmutenden „Indianer-Landschaft“. Auch die Musik in diesem Krimi ist sehr angenehm und passend gewählt.

Sehr gut, mutig und zugleich witzig und geistreich ist, dass die Autoren es nicht scheuen, zu zeigen, dass die indianische Mentalität und die Fähigkeiten der Indianer doch möglicherweise jenen der Deutschen überlegen sind. Darunter soll nicht in erster Reihe die etwas zu vordergründige Geschichte des „deutschen Indianers“ Georg verstanden werden, sondern zum Beispiel das lustige wiederholte Motiv des immer wieder verschwindenden Ausweises des deutschen Polizisten; oder die Fähigkeit des Indianerhäuptlings, aus einem von der Polizei bewachten Raum spurlos zu verschwinden. Nicht mal im Ansatz versuchen die Autoren, diese Geheimnisse für die Zuschauer zu lüften; sie bleiben einfach Geheimnisse, wie die ganze Indianerrasse für Europäer ein Geheimnis ist. Gibt es übernatürliche Kräfte? Die Autoren des Films deuten diese Möglichkeit mehrfach an, zucken aber bloß jedesmal die Achseln und machen mit ihrer Krimi-Hauptgeschichte weiter; weder widerlegen sie das Übernatürliche, noch befürworten sie es – ein intelligenter Zugang zum Thema also.

Der Schauspieler Murray Small Legs ist überzeugend in der Rolle des Indianerhäuptlings; Peter Sodann und Bernd Michael Lade als die zwei ermittelnden deutschen Kriminalisten sind ebenfalls in Bestform. Die Figuren der Indianerin Alena und ihres deutschen Freundes Georg sind weniger gelungen und ihre Handlungsmotive scheinen an den Haaren herbeigezogen, weniger glaubhaft.

Unerklärt ist auch, wieso der Indianerhäuptling so ein gutes Deutsch (obwohl mit englischem Akzent) spricht, wo er sich angeblich ja bloß auf einer Deutschland-Tour aufhält; jedenfalls hört man, dass das Deutsche des Indianerhäuptlings viel besser als das Englische von Kommissar Ehrlicher ist. Wenn wir schon bei Akzenten sind: was man in diesem Film vermisst, ist der sächsische Akzent, wie ihn auch Karl May gerne in seinen Bücher darzustellen pflegte; denn alle Schauspieler sprechen hier Hochdeutsch. Konnte man nicht wenigstens den echten Kurator des Karl-May-Museums, René Wagner, im Film mitspielen lassen, statt einen Hochdeutsch sprechenden Schauspieler für die Rolle zu engagieren, der René Wagner (hauptsächlich mithilfe des typisch breiten Cowboy-Huts) bloß äußerlich ähnlich ist?

Insgesamt ist der Film nicht aufregend genug, um als bemerkenswert, geschweige denn unvergesslich eingestuft zu werden; obwohl man schon anerkennen muss, dass der große Showdown am Ende, der sich während einer Karl-May-Aufführung auf der Rathener Felsenbühne abspielt, den Filmemachern sehr gut gelungen ist: mit fabelhaften Bildsequenzen, die allesamt in angenehme dunkelgrüne Farbtöne getaucht sind. Handwerklich also eine sehr gute Tatort-Folge, die jedoch bedeutendere Qualitäten vermisst, die sie über die Masse von anderen (Krimi-)Filmen heben könnten.

Wertung: Image:C-m.gif (= C- auf einer Skala von A+ bis F-)
--Faterson 12:50, 29 August 2008 (CEST)
[geschrieben am 20080826 zwischen 13:14:14 und 14:02:54]

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