Quotations:Im Lande des Mahdi I

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von Karl May (1891/2)
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Kapitel 1 (Seite 49) [1]

  Sollte dieser Mann vielleicht Abd el Barak sein? Gewiß! Er kam, um die Einnahmen der Kinder zu revidieren. Ich horchte gespannt nach hinten; es war, als sagte mir eine Ahnung, daß ich jetzt gebraucht werde. Ich fragte mich nicht, ob ich ein Recht oder gar eine Pflicht besäße, mich gegebenen Falls einzumischen; es war wie ein Naturgesetz in mir, dem ich mich zu überlassen hatte.  

--Faterson

S. 53

  Was nun geschehen sollte, das fragte ich mich nicht; ich hatte gehandelt, wie der Augenblick es erforderte, und wie ich es für richtig und meiner würdig hielt; die Folgen mußte ich natürlich auf mich nehmen, doch war mir vor ihnen nicht allzu bange.  

--Faterson

Kara Ben Nemsi auf S. 58

  »Wer Heilung finden will, muß aufrichtig sein.«  

--Faterson

Kara Ben Nemsi (ib.)

  »Hier bin ich nicht Mann, sondern Arzt. Wer Hilfe finden will, darf sich nicht vor meinen Augen scheuen.«   [2]

--Faterson

S. 89

Und so sind sie alle, diese unwissenden [3] Moslemim, deren Frömmigkeit sich meist nur im gedankenlosen Herleiern einiger Gebete bethätigt, verbissene und verständnislose Menschen, welche mit Verachtung selbst auf ihre Glaubensgenossen herabsehen, falls diese nicht Mitglieder einer Verbrüderung sind.  

Kapitel 2 (Seite 101)

Sein [Murad Nassyrs] Verhalten zu mir war ganz gewiß auch mit die Folge eines gewissen Wohlwollens; das gab ich gerne zu; der eigentliche Grund desselben lag aber sicher in einer selbstsüchtigen Berechnung, die ich ihm freilich nicht übelnehmen konnte, da wir Menschen ja alle [4] mehr oder weniger Egoisten sind, wie jeder Aufrichtige gestehen wird.  

S. 123

Man soll den Menschen nicht nach dem beurteilen, was er ist, sondern darnach, wie er es geworden ist, dann wird manche Härte sich in Milde verwandeln, aber auch leider ebenso oft die Hochachtung sich in ihr Gegenteil verkehren.

Kara Ben Nemsi & Reïs Effendina auf S. 129

  »Nun, es giebt Schriftsteller, welche sehr gute Bücher schreiben, ohne dazu gute Titel zu finden, und umgekehrt giebt es andere, deren Kopf voller vortrefflicher Titel steckt, ohne daß sie eine gescheite Seite fertig bringen.«

»Das mag sein. Wie ist’s denn bei dir?« 

»Wir haben in Deutschland eine Redensart, welche lautet: Rede, wie dir der Schnabel gewachsen ist! Verstehst du das?«

»Ja. Man soll offen und natürlich sprechen.«

»Gerade so schreibe ich.«  

S. 131

  Er [Reïs Effendina] sah mich von der Seite so gutmütig pfiffig an, daß ich fühlte, ich müsse ihn rasch lieb haben können. Er war kein bigotter Moslem; er besaß Lebhaftigkeit, Energie und Wohlwollen, wie ich beobachtet hatte. Das war kein träger, stumpfsinniger Orientale,[5] der sein Nichts für etwas hält und nichts von Etwas wissen will. Ich wünschte wohl, die Reise mit ihm machen zu können.  

Reïs Effendina zu Kara Ben Nemsi auf S. 135

  »[...!] Du brauchst dich nicht zu genieren. Mein Nachbar hier ist mein Steuermann, und der Mann da mit der Peitsche mein Liebling, meine rechte Hand, welche alles thut, was ich befehle. Schon mancher Sklavenhändler und Sklavenbesitzer hat es auf seinem Rücken gefühlt, daß diese meine Hand schnell, willig und stark genug ist, meinen Wahlspruch auszuführen: Wehe dem, der wehe thut!«  

S. 135f

  »So bist du nicht auch Mitglied der frommen Kadirine?« fragte ich ihn [den Reïs Effendina].

»Nein. Ich bin überhaupt nicht Mitglied einer Bruderschaft. Muhammed war ein Prophet, und Johannes war ein Prophet. Allah ist die Liebe und die Gerechtigkeit, und dein Gott ist Allah. Wir Menschen sind alle Gottes Kinder; wir sollen einander lieben und gerecht gegen einander sein. Ich preise meinen Glauben nicht und schände keinen andern; ich mag nicht bekehren und lasse mich nicht bekehren. Meine Augen können nur das Irdische sehen und werden erst, wenn ich gestorben bin, das Himmlische erblicken. Warum soll ich darüber streiten, wer Gott in der rechten Weise anbetet? Wir sind eine einzige große Familie und haben einen einzigen Vater. Jedes Kind hat seine besonderen Gaben und Eigenschaften und spricht in seiner besonderen Art und Weise mit dem Vater. Gieb mir die Hand, Effendi! Du bist ein Christ, und ich bin ein Moslem; aber wir sind Brüder und gehorchen unserm Vater, weil wir ihn lieben!« 

Er reichte mir seine Hand, und ich legte die meinige in dieselbe. [6]  

S. 136

Man ist nicht Lehrer, nicht Missionar durch Worte allein; man lehrt auch durch die That; ja die That wirkt oft mächtiger als das Wort, und zuweilen ist auch das Schweigen eine That, wenn auch nur eine That, welche Aergernis verhindert.  

Kara Ben Nemsi & Reïs Effendina auf S. 138

  »Also werden die Thäter bestraft werden?« 

»Natürlich! Wehe dem, der wehe thut!«   [7]

S. 140

  Der »Liebling« [8] wußte schon, was er in einem solchen Falle zu thun hatte; er fragte nicht, nicht einmal durch einen Blick, sondern strich ihm im Gefühle seiner Majestät, oder kürzer deutsch gesagt, seiner Peitschenoberlehensherrlichkeit die Karbatsche zweimal in solcher Weise über den Rücken, daß der Alte gewiß nicht wieder aufzubegehren wagte.  

S. 148

  »Schweig!« unterbrach er [Reïs Effendina] mich.  »Das verstehe ich besser als du. [...]« 

[...]

»Still!« unterbrach er mich abermals. »Ich weiß sehr wohl, was ich thue. Wehe dem, der wehe thut! Das ist der Grundsatz, nach welchem ich zu handeln pflege.« [9]  

Kapitel 3 (Seite 155f)

Tausend und noch mehr Fragen mußte ich ihm [dem Reïs Effendina] beantworten; er war ein sowohl körperlich wie auch geistig reich begabter Mensch und begriff sehr leicht. Am leichtesten aber hatte er eingesehen, daß seine Kenntnisse sehr mangelhaft seien, natürlich dem Wissen eines Europäers gegenüber. Bei dieser Armut an realem Wissen war es freilich kein Wunder, daß ich jede seiner Fragen zu beantworten vermochte, und so kam es, daß er mich, was ich leider nicht verdiente, für einen Ausbund von Klugheit und Gelehrsamkeit hielt. Bei all dieser Hochachtung und den freundschaftlichen Gefühlen, welche er sichtlich für mich hegte, bewahrte er jene Zurückhaltung, welche dem Orientalen eigen ist, und die er seinem Range schuldig zu sein glaubte.

S. 172

Ich war schon jetzt, noch ehe ich den Grauschimmel sah, vollständig überzeugt, daß man ihn nicht richtig zu behandeln verstand. Selbst der feurigste Araberhengst ist, wenn man ihn zu nehmen weiß, fromm wie ein Kind. Warum sollte gerade dieser hier eine Ausnahme machen!  

S. 174

  Der Blick, welchen der Stallmeister jetzt auf mich warf, war wirklich köstlich. So mag ein Professor seine Quartaner ansehen, wenn es diesen einfallen sollte, ihn über die Art und Weise, wie man Kometen entdeckt, zu belehren. Er brach in ein helles Gelächter aus und rief:

»Falsch behandelt? [10] Wie meinst denn du, daß Pferde behandelt werden müssen?« 

»Als Freunde, aber nicht als Sklaven ihrer Reiter. Das Roß ist das edelste Tier; es hat mehr Charakter als der Hund und der Elephant. Läßt es sich zwingen, so taugt es nichts, denn es hat auf seinen Adel verzichtet und ist eine gemeine, ehrlose Kreatur geworden.[11] Ein edles Pferd opfert sich auf; es sieht den sichern Tod vor Augen und sprengt ihm doch entgegen, um seinen Reiter zu retten. Es hungert und dürstet mit seinem Herrn; es freut sich und grämt sich mit ihm, könnte man fast sagen, wenn das Tier menschlicher Regungen fähig wäre. Es wacht für ihn, und wenn es eine Gefahr wittert, so zeigt es ihm dieselbe an. Bete einem edlen Rosse seine Sure in das Ohr; rufe das Wort des ›Zeichens‹ aus, und es wird mit dir wie ein Wind davonfliegen und nicht innehalten, bis es tot zusammenbricht!«  

S. 175

  »Um Allahs willen, was fällt dir ein! Du würdest den Hals brechen!« 

[Kara Ben Nemsi:]  »Fällt mir nicht ein! Es wird mir ein Vergnügen sein, dir zu beweisen, daß ihr dieses edle Pferd schlecht behandelt habt.[12] Rufe deinen Sohn und die Reitknechte herbei, damit sie lernen, wie man es machen soll!«  

S. 181

Während meine Hand nur niedliche Vertiefungen in dem Pillawberge zurückließ, riß der Haushofmeister ganze Gletscher, denen riesige Bergstürze folgten, los. Weißglänzende Reis-Firnen und großblockige Fleischmoränen verschwanden hinter seinem mächtigen Gebisse. Ich konnte nicht weiter essen, denn das Zusehen und Bewundern nahm meine ganze Thätigkeit in Anspruch.

S. 182

Das [die (von Kara Ben Nemsi als Medizin verordneten) tiefen Verbeugungen des dicken Vielessers [13]] waren so unbeschreibliche Anstrengungen und Bewegungen, daß mir, obgleich ich mich hütete, laut zu lachen, die Thränen über die Wangen liefen, natürlich nicht diejenigen des Schmerzes und der Traurigkeit. Das war die Strafe dafür, daß er mir in das Gesicht gesagt hatte, ich als Christ verschimpfiere das Zimmer mit den Kuransprüchen. Aber, aufrichtig gestanden, hatte die Rachsucht weniger Teil daran als der angeborene Schabernack.  

S. 200

Es stand zu erwarten, daß die andern [14] meiner Fährte folgen würden, und ich wollte sie äffen.

S. 214

[...]; hier aber war er [Selim] Gast, also ein Herr, welcher bedient wird.

Kapitel 4 (Seite 226)

  Nun ging es über die gähnenden Spalten hinweg, wieder in einen engen Gang, welcher leider auch voller Fledermäuse hing. Die Exkremente derselben bedeckten den Boden, über welchen wir mit den Händen krochen, und der Gestank wurde hier so abscheulich, so durchdringend, daß ich nahe daran war, dem Führer zu sagen, daß auch ich umkehren wolle. Die Massen dieser Tiere wurden immer dichter, und der Gang verengte sich mehr und mehr.

S. 229

Ein anderer wäre in diesem Falle verloren gewesen; ich aber besaß noch eine ganze Fackel und traute mir zu, in den Exkrementen der Fledermäuse [15] meine Spur und durch dieselbe den Weg ins Freie zu finden. Das beruhigte mich. [16]

S. 230f

Der Führer hatte uns bis hierher begleitet. Als ich Miene machte, ihm die ausbedungene Summe zu zahlen, wehrte er mit beiden Händen ab und sagte:

»Willst du meine Seele beleidigen und mein Herz kränken? Jeder Piaster, den du mir anbietest, muß die Freundschaft, welche ich für dich empfinde, mindern. Behalte dein Geld, und denke so gern an mich, wie ich mich deiner erinnern werde, und wenn du aus dem Süden zurückkehrst, so vergiß nicht, mich aufzusuchen; denn es wird mir eine große Freude sein, dein Angesicht wiederzusehen.« 

Er reichte mir die Hand und entfernte sich.

S. 232

  Er kam herein und setzte sich mir gegenüber, ohne meine Erlaubnis abzuwarten. Das konnte mich gar nicht befremden. Ein Fakir ist ein Mann, welcher allem Tande der Erde entsagt, um allein Gott zu loben; er wird zunächst als arm und sodann als heilig betrachtet, und kein guter Muhammedaner wird ihm die Erfüllung eines nicht ganz und gar unbilligen Wunsches versagen. Es war daher ganz selbstverständlich, daß er gar nicht wartete, bis ich seine Bitte beantwortet hatte. Ich erfüllte sie ihm übrigens von Herzen gern, weil der Eindruck, welchen er auf mich gemacht hatte, ein so günstiger gewesen war.

S. 237

Ich empfing ihn [den Fakir] in meiner Stube, wo ich mich mit ihm allein befand. Er erlaubte es nicht, daß ich nach Pfeife und Kaffee für ihn rief, und gab als Grund dafür an:

»Jeder Gläubige darf rauchen, denn Allah ist nachsichtig mit der Schwäche des Menschen; ein Strenggläubiger aber enthält sich des Tabakes. Und da das Wasser des Niles meinen Durst stillt, so sehe ich nicht ein, weshalb ich Kaffee trinken soll. Das Fasten ist meine Nahrung und das Gebet meine Speise. Giebt es unter den Christen auch solche Leute?« 

»Ja, wir hatten und haben viele fromme Männer, welche den Freuden und Genüssen der Welt entsagten, um sich nur allein mit Gott zu beschäftigen.« 

»Wohl ihnen, denn je weiter die Seele sich von der Erde entfernt, desto näher ist ihr der Himmel. Doch ich kam nicht, um mit dir solche Betrachtungen anzustellen, sondern um von den Königsgräbern zu sprechen. Willst du sie noch sehen?«  

S. 240

  »[...] Wenn ich meine Hand über dich halte, können die Völker der Erde dir nichts anhaben, und so lange die Zärtlichkeit meines Auges auf dir weilt, leuchten dir tausend Sonnen des Wohlstandes und Millionen Sterne des Ueberflusses. Ich bin der Beschützer aller Beschützer und Beschützten. Meine Macht ist wie – – – « 

»Wie nichts, wie gar nichts!« unterbrach ich ihn [Selim].

ib. (S. 240)

  Wahrhaftig, es standen ihm [Selim] die Thränen in den Augen! Hatte dieser sonderbare Mensch mich wirklich so lieb? War das Prahlen ihm so zur zweiten Natur geworden, daß er es nun nicht lassen konnte, daß es ihm nun ganz unmöglich war, einzusehen, daß er nur Unsinn redete? [17] Ich erinnerte ihn in freundlicherer Weise:

»Aber, Selim, denke doch an gestern zurück! Welches Geständnis hast du mir denn gemacht, als ich dir die hundert Piaster zurückgab?« 

»Ein Geständnis? Ich weiß von nichts,« antwortete er im Tone der Wahrheit, der vollsten Ueberzeugung.  

Ben Wasak & Kara Ben Nemsi auf S. 259f

  »Du weißt schon, was ich dir sagen will.« 

»Ich weiß es. Jenes Fenster hat es mir verraten. Ich bin ein Mensch wie jeder andere, und nur Gott ist allwissend, wie du ganz richtig sagtest. Als ich erwachte, hörte ich dich draußen mit meinem Gastfreunde sprechen. Du siehst, daß ich keineswegs die Vorzüge besitze, welche er mir andichtete.« 

»Du besitzest vor allen Dingen den seltenen Vorzug der Bescheidenheit, Effendi. Ja, kein Mensch kann wissen, was Allah weiß; aber es giebt heilige Männer und Zauberer, denen Allah vieles mitteilt, was andere nicht erfahren. Wärest du nicht so aufrichtig gewesen, wegen dieses Fensters mit mir zu reden, so hätte ich dich für einen Heiligen gehalten. Das konntest du dir zu nutze machen. Indem du darauf verzichtest, giebst du mir den Beweis, daß du ein ehrlicher Mann bist, dem ich mein Vertrauen schenken kann, und das ist noch mehr wert, als wenn ich dich für einen Zauberer gehalten hätte. [...]«  

S. 257 + 282

  Als wir uns ihm [dem Fakir] genug genähert hatten, sah ich, daß er seine Lippen im Gespräch mit Allah bewegte; auf seinem Gesichte lag der Ausdruck reinster, religiöser Verzückung. Nein, dieses Gesicht konnte nicht lügen. Der Mann, welcher dem Grabe so nahe stand, daß jeder Augenblick ihn hineinstoßen konnte, sollte ein Freund von Verbrechern sein? Unmöglich, ganz unmöglich! Ich empfand in diesem Augenblicke das festeste, das innigste Vertrauen zu ihm.

[...?] Ich hatte jetzt gegen den Fakir einen, wenn auch nicht bestimmten Verdacht gefaßt. Seit seiner letzten Rede war ich überzeugt, daß sein frommes Gesicht eine Lüge sei. Es konnte mir ja wohl sehr gleichgültig sein, ob es unter den muhammedanischen Fakirs einen Heuchler mehr oder weniger gebe, aber wer sich auf diese Weise zu verstellen vermochte, der war nicht nur ein Heuchler, sondern wohl gar ein gefährlicher Mensch. [18]

Selim auf S. 286

  »Wo haben diese Mumien, als sie noch lebten, ihre Gedanken gehabt! Konnten sie uns nicht die Wohlthat einer bequemen Treppe erweisen? Eine Leiter wenigstens wird es doch geben?«  

S. 304

  [Selim:]  »So glaubst du, daß wir uns retten werden?« 

[Kara Ben Nemsi:]  »Ich habe noch keinen Augenblick daran gezweifelt. Hinaus müssen wir auf alle Fälle, wenn nicht hier dann anderswo. Dieser Fakir ist nicht der Mann, uns hier festzuhalten. Er ahnt nicht, welche Mittel einem denkenden und energischen Manne zu Gebote stehen.[19] Grabe weiter!« 

»Ja, grabt, grabt; ich will beten!« bat Ben Nil.

Murad Nassyr & Kara Ben Nemsi in Kapitel 5 (Seite 325)

  »Aber du bist doch arm!« 

»Du irrst. In meinem Glauben bin ich reich. Ich tausche mit keinem Menschen.«  

Kara Ben Nemsi & Murad Nassyr auf S. 335

  »Es freut mich, daß du mich für einen mutigen Mann hältst; aber es freut mich ganz und gar nicht, daß du mich zugleich für fähig hältst, meinen Mut auf einem solchen Felde in Anwendung zu bringen. Die Sklaverei ist eine Schande für die gegenwärtige Menschheit, und die Sklavenjagd ist ein Verbrechen, welches zum Himmel schreit. Ich würde selbst eine kleine Sünde wissentlich nicht um vieles Geld begehen, um wie viel weniger werde ich diese Schande und solche Blutthaten auf mein Gewissen laden. Wie du einem Christen, und zudem mir, einen solchen Antrag stellen konntest, das ist mir unbegreiflich.« 

[...]

»Bedenke den Gewinn!« 

»Ein ruhiges Gewissen ist mir lieber.«  

S. 357

[Ich] verließ dann stolz zu Fuß Korosko, während meine Diener auf ihren prächtigen Tieren thronten. Würde in Deutschland jemand einem Fremden zwei solche Kamele geliehen haben?  

S. 372

  Und weiter ging es, immer weiter. Die vier Kamele warfen die langen Beine ohne Ermüden vorwärts; es waren wirklich ausgezeichnete Tiere. Wenn nur die drei Reiter ebenso ausdauernd gewesen wären. Von Selim war gar nicht zu reden; er war ein Schwächling in jeder Beziehung; die beiden andern hatten Charakter, aber sie waren die Wüste [20] nicht gewöhnt und mußten sich zu sehr anstrengen. Sie sprachen kein Wort und folgten mir, weil sie mir folgen mußten.

Ich will nicht sagen, daß dieser Ritt mir leicht geworden sei, o nein. Auch ich empfand die entsetzliche Hitze, welche mein Gesicht verbrannte, so daß an mehreren Stellen, auch an den Händen, die Haut sich löste; aber wir hatten eben ein Ziel vor uns und mußten es unbedingt erreichen. Hat der Mensch einmal ein Muß erkannt, so soll er alle Kräfte einsetzen, demselben gerecht zu werden.  

S. 376

[...] dann sahen wir nach dem Wasser. Es hatte sich während der Nacht so viel gesammelt, daß wir wieder zwei Schläuche füllen konnten; das alte Wasser bekamen die Kamele. Dann aßen wir einen Brei, welcher aus Durrhamehl, in kaltem Wasser eingerührt, bestand. Der ärmste deutsche Bettler würde diese Speise für ungenießbar erklären; die Wüste [21] aber nimmt keine Rücksicht auf den verwöhnten Gaumen eines Menschen.  

Kara Ben Nemsi ib.

  »Wenn sie dann kommen, sind sie höchstwahrscheinlich viele Köpfe stark, während wir nur vier Männer sind. Ich fürchte mich zwar nicht, aber es ist besser, für irgend einen guten Zweck zu leben als für denselben zu sterben. Wir würden also einen Kampf nicht aufnehmen, sondern uns schnell, ehe sie uns bemerkt hätten, zurückziehen.«  

Kapitel 6 (Seite 424)

  Diese Worte bestätigten auf das Genaueste meine Vermutungen. Gegen sechzig Sklavinnen! Und darüber ging der alte Fakir mit der größten Ruhe hinweg. Wie hatte mir in Maabdah und Siut sein ehrwürdiges Gesicht gefallen. Er wurde als Heiliger verehrt und war doch ein Scheusal. Ein Fakir, ein Marabut, und doch billigte er ohne den geringsten Vorbehalt den Raub von sechzig Muhammedanerinnen! Da steckte ein Teufel in der Maske eines Heiligen.   [22]

Murad Nassyr auf S. 426

  »[...] Der Kerl [Kara Ben Nemsi] ist ein Hund, ein Christ, aber er würde lieber sterben als stehlen. Ich halte ihn sogar für einen Menschen, welcher lieber hundert Piaster giebt, als daß er sich einen ohne Gegenleistung schenken läßt. [...]«  

Ben Nil & Kara Ben Nemsi auf S. 440

  »Du begiebst dich schon wieder in Gefahr, Effendi,« meinte er. »Nimm mich doch lieber mit!« 

»Nein; ich bin allein viel sicherer als in Begleitung anderer; aber wenn ich pfeife, mußt du dich beeilen.«  

S. 448f

  Inzwischen hatte sich der Mokkadem wieder aufgerafft und das Messer gezogen. Er drang mit demselben auf mich ein. Was hinderte mich, diesen Menschen niederzuschießen? Ich that es nicht, sondern parierte seinen Stoß durch einen von unten herauf gegen seinen Ellbogen geführten Hieb, wodurch ihm das Messer aus der Hand geschleudert wurde; dann warf ich ihn nieder und drückte ihm mit beiden Händen die Kehle zusammen.

S. 454

  »[...] Aber es wird Blut kosten!« 

[Kara Ben Nemsi:] »Wahrscheinlich; aber eine Wahrscheinlichkeit ist noch keine Gewißheit, keine Notwendigkeit. Man darf sich nicht immer nach den gegebenen Verhältnissen richten, sondern man muß suchen, dieselben zu beherrschen, sie zum eigenen Vorteile umzuändern.«  

S. 460

Da ich gewohnt war, mich mehr auf mich selbst als auf andere zu verlassen, so stieg ich zu ihm hinauf [...]

S. 468

  »Fünfzig gegen dich, das ist zu viel!« 

[Kara Ben Nemsi:]  »Es ist besser, ein einzelner wagt etwas, als daß beim Ueberfalle viele getötet werden.« 

»Aber wenn dieser einzelne derjenige ist, dessen Kopf und Arme die andern brauchen, so ist es besser, es unterbleibt.« 

»Das mag wahr sein; aber ich habe stets Glück [23] gehabt und hoffe, daß ich es auch heute haben werde.«  

S. 469f

  »Das ist wahr; du beruhigst mich, Effendi. Thue, was dir beliebt; ich habe nun nichts mehr dagegen, denn ich weiß, daß du doch auf meine Warnungen nicht hörst.« 

[Kara Ben Nemsi:]  »Ich bin für jede begründete Warnung dankbar; aber die deinige ist so allgemein und unbestimmt, daß ich sie unmöglich gelten lassen kann. Uebrigens stürze ich mich nicht etwa kopfüber in die Gefahr, sondern ich gehe ihr mit vollem Bedachte entgegen; das vermindert ihre Größe und vermehrt meine Sicherheit.«  

S. 477

  Man meint, daß solche oder ähnliche Scenen nur in Romanen vorkommen können; das ist sehr richtig, denn – – das Leben ist der fruchtbarste und phantasiereichste Romanschreiber, welcher nicht, um eine unmögliche Situation zu ersinnen, ein dutzend Gänsefedern zerkauen muß.

Ben Nil zu Kara Ben Nemsi auf S. 484

  »Welch eine List, Effendi! Jetzt glaube ich, daß du dich vor keinem Feinde zu fürchten brauchst. Deine Verschlagenheit ist noch viel größer als deine Tapferkeit. Ich bin überzeugt, daß wir allen Gefahren gewachsen sind.«  

Ben Nil & Kara Ben Nemsi auf S. 495

  »So hast du mir also das Leben abermals gerettet, und meine Schuld wird immer größer. Was gedenkst du nun zu thun? Bist du noch immer entschlossen, die Mörder mit List zu behandeln? [24] Wäre es nicht besser, sie zu überfallen und einfach niederzuschießen oder zu erstechen? Wir werden mit ihnen fertig sein, ehe sie Zeit zur Gegenwehr gefunden haben.« 

»Das mag sein; aber ich morde nicht. Es ist bis jetzt so gut gegangen, daß ich gar keinen Grund habe, mich plötzlich anders zu entschließen. Nun der Anführer sich in unserer Gewalt befindet, werden wir auch die andern bekommen.«  

S. 501

  »Wenn ich dir glauben soll, so schwöre bei dem Barte des Propheten!« 

[Kara Ben Nemsi:]  »Das thue ich nicht, denn ich bin ein Christ und schwöre[25] nicht.«  

Kara Ben Nemsi zu Selim auf S. 512

  »[...] Kerl, bitte doch Allah, daß er dir, wenn auch nur ein allereinziges Mal in deinem ganzen Leben, einen Gedanken schenke, welcher wenigstens nicht ganz und gar verkehrt ist. Die Gefangenen sind fort?«  


Selim & Kara Ben Nemsi auf S. 514f

  »[...] Nun sage mir, was ich thun soll! Soll ich die Sklavenjäger angreifen, um sie zu überwinden?« 

»Nein, nein! Am besten ist’s, du thust gar nichts; dann sind wir am sichersten vor dir. [...] Steig also wieder hinauf, und setz dich zu den Wächtern der Kamele! Ich möchte nur wissen, welch unglückliches Zeichen am Tage deiner Geburt am Himmel gestanden hat!« 

»Ich bin im Zeichen ›es Saba‹ [[26] Des Löwen.] geboren, Effendi.« 

»Nein, nein, sondern wahrscheinlich im Zeichen ›es Saratan‹ [Des Krebses.]. Darum wiederhole ich: Lauf’ rückwärts, und mach’, daß du zu den Kamelen kommst. Hoffentlich wirst du ihnen nicht auch Unglück bringen.« 

Er wollte mir widersprechen, doch ging ich fort und ließ ihn stehen.[27]

S. 533

Ich überließ die Erzählung den beiden andern, und ich kann sagen, daß sie von meinem Lobe so überflossen, daß ich ihnen oft Einhalt thun mußte.

Es verging fast eine Stunde, ehe sie alles erzählt hatten; denn sie thaten das mit der Gründlichkeit des Orientalen, für welchen die Zeit wenig oder gar keinen Wert besitzt. Endlich hatte er [Reïs Effendina] alles bis auf das Kleinste und Unbedeutendste erfahren.

S. 537

Ich kam gerade zur rechten Zeit oben an, um sehen zu können, daß ein Mann sein Kamel bestieg und davonritt. Er hatte einen reinen, weißen Burnus an, und sein Tier war auch von weißer Farbe. Gern hätte ich es niedergeschossen, um des Reiters habhaft zu werden, aber mein Kennerauge machte mir einen Strich durch die Rechnung. Als es auf das Kamel fiel und die Formen und Bewegungen des Tieres erblickte, fühlte ich mich so enthusiasmiert, daß ich das Schießen vergaß. Ja, das war ein Hedschihn! Zehn vom Werte des meinigen wogen es nicht auf! Ich stand mit angelegtem Gewehre da, und als ich meiner Bewunderung Meister geworden war, hatte es spielend schon eine solche Strecke zurückgelegt, daß meine Kugel es nicht mehr erreichen konnte. Der Reiter drehte sich um und schwang sein Gewehr höhnisch gegen mich.  

Kara Ben Nemsi & Reïs Effendina auf S. 541

  »Soll ich mich bei keinem höheren Beamten erkundigen?« 

»Nein, denn ich werde bei keinem vorsprechen. Da ich ungewöhnliche Vollmachten besitze, bin ich diesen Leuten unangenehm. Ich pflege mich auf mich selbst zu verlassen, ganz so wie du. Ich weiß von dir, daß du dich auch nur gezwungenermaßen an einen Vertreter deines Landes wendest.« 

Da hatte er freilich sehr recht. Zu dem, was man selbst thun kann, soll man keine Unterstützung fordern.


Kommentare
  1. Zitiert wird nach der Historisch-Kritischen Ausgabe (HKA) dieses Werks im Haffmans Verlag (1996). Der Text hat 542 Seiten in dieser Ausgabe. Gelesen von Faterson wurde das Buch 1998 (zum zweiten Mal, erstmals auf deutsch). Die erste Fassung dieser Zitatesammlung erschien 1998/9, neu erfasst fürs Internet wurde sie im Dezember 2000; im Juli 2008 erfolgte der Umzug dieser Zitatesammlung ins heutige Wiki-Format. Andere Leser und Besucher dieser Webseiten sind nun aufgerufen, diese Sammlung mit ihren eigenen Lieblingszitaten aus Im Lande des Mahdi I zu erweitern!
  2. der überlebensgroße Kara ben Jesus   [Faterson]
  3. Achtung!   falls dieses eine Wort in dem Satz nicht drin wäre, hätte man Karl May sehr wohl bezichtigen können, er sei ein „christlicher“ Chauvinist!!   zum Glück blieb diese Stelle die einzige auf diese Weise schlüpfrige, auf den 540 Seiten von Im Lande des Mahdi I...!!!   [Nachtrag aus dem Jahr 2000: leider erwies sich May als „christlicher Chauvinist“ in den zwei missratenen, 350 Seiten langen und an die ursprüngliche Mahdi-Geschichte unsinnig angeleimten Abschlusskapiteln von Im Lande des Mahdi III: siehe hierzu die haarsträubenden Zitate aus Mahdi III in der Rubrik Mays schlechteste Zitate!!!   jene Zitate sind im direkten Widerspruch zu Mays tolerantem Glauben, wie er wunderbar hier in Mahdi I oder Und Friede auf Erden! zum Ausdruck gebracht wurde; siehe hierzu das prächtige Zitat Reïs Effendinas in diesem Roman, im Zitat von S. 135f!!   tja, jeder Schriftsteller, auch der beste (und May gehört zu den allerbesten), schreibt ab und zu unsägliche, unerträgliche Dinge und produziert schlechte Literatur: May ist dies eben, leider, in den zwei überflüssigen Abschlusskapiteln von Mahdi III passiert...   da hat er sich selber aus den Augen verloren und schrieb plötzlich, woran er selber kaum glauben konnte, wenn man das Zitat Reïs Effendinas (hier im Zitat von S. 135f) oder Und Friede auf Erden! im Auge behält!!!   (zum näheren Hintergrund des Missratens von Im Lande des Mahdi III vergleiche den neuesten Nachtrag [2000] zur Anmerkung zu Seite 229 unten)]   [Faterson]
  4. >> d. h.: einschließlich Kara Ben Nemsi, der Erzähler; dieser Auszug widerlegt wieder einmal die häufige, jedoch falsche Behauptung, der Erzähler in Karl Mays Werken sei ein „perfekter Übermensch“ !!!!
  5. vgl. Zitat von Seite 89
  6. ich behaupte: was hier Karl May den Reïs Effendina sagen läßt, sind in Wirklichkeit die Überzeugungen von – Karl May selbst!!!!!   es sind jedoch solche Überzeugungen, die es Karl May als Schriftsteller nicht wagen kann, öffentlich zu verkündigen!!!!!   Karl May war ja „ein evangelischer Volksschriftsteller“, noch dazu (in den Zeiten der Entstehung von Im Lande des Mahdi I) mit einer stark katholischen Leserschaft (im ›Deutschen Hausblatt‹, der Zeitschrift, in der der Erstdruck dieses Romans – in Fortsetzungen – erschien) – wie würden sich solche unorthodox religiösen Ansichten, wie jene eben hier vom Reïs Effendina wunderschön vorgetragenen, in einem solchen – ja, bigott evangelisch-katholischen – Milieu ausnehmen??!!!!   deshalb, und nur deshalb, distanziert sich – recht ungeschickt – gleich im auf diesen Zitat folgenden Text der „eigentliche“ Erzähler (Kara Ben Nemsi, ergo Karl May) von dem hier vom Reïs Effendina Dargelegten; trotzdem ist es jedem Leser, der Karl May (vor allem den späten) gründlich kennt, völlig klar, dass Karl May nicht in jener Distanzierung, sondern eben hier, in den Worten des Reïs Effendina, aus vollem Herzen spricht!!!!!   um dies zusammenzufassen: die Figur des Reïs Effendina dient Karl May dem Schriftsteller dazu, um durch sie solche Ansichten unverblümt an seine Leser zu bringen, die er ihnen durch Karl May als Handlungsfigur unmöglich vermitteln kann!!!!   dies ist, nebenbei, ein weiterer Beweis, dass in Karl May sich nicht ausschließlich alles um die Figur des Erzählers dreht: in dieser Szene ist es eben der Reïs Effendina, der geistig überlegen ist – nur darf es Karl May der Schriftsteller nicht wagen, den Reïs Effendina auch offen als überlegen zu bezeichnen!!!!
  7. Vgl. Zitat von Seite 135
  8. Vgl. zweiter Satz im Zitat von Seite 135
  9. Vgl. Zitate von Seiten 135 und 138
  10. Vgl. vorangehendes Zitat
  11. >> eine gelungene Analogie: Reiter = Lehrer, Professor; Pferd = Schüler, Student!!!!!
  12. >> dies ist ebenso ankotzend-narzistisch wie aufrichtig
  13. Vgl. vorangehendes Zitat
  14. = Gefährten, nicht Feinde (vgl. vorangehendes Zitat!)
  15. Vgl. vorangehendes Zitat
  16. was May im bisherigen Verlauf von Im Lande des Mahdi I geleistet und den Lesern geboten hat, ist eine berauschende Mischung (!!!!!) von „Action“ , Abenteuer – und Komödie.   May ist wirklich hier in seiner Höchstform zu bewundern; ich hoffe, dass das so auch bis zum Ende des (dreibändigen!) Romans bleibt!!!!   denn: ähnlich glänzend hat Karl May zum Beispiel auch den Winnetou III angefangen – er konnte jedoch sein eigenes hohes Tempo nicht über 500 Seiten lang durchhalten...   was jedoch hier, auf den ersten 230 Seiten von Im Lande des Mahdi I May den Lesern bietet – das ist eine erzählerische Souveränität, die ich für unübertrefflich, eben: klassisch halte!!!!!   und May versteht es „nebenbei“, seine Action-Comedy mit naiv-philosophischen und religiösen Höhepunkten zusätzlich zu bereichern: zusammen ergibt das eine Mischung, die nur von Karl May stammen kann!!!!!   hier erleben wir Karl May als den perfekten, reifgewordenen Erzähler, der er in den meisten seiner früheren Romane nicht durchgehend war!!!!   erst diese erzählerische Vollkommenheit im „alten“ Stil der „Reiseerzählungen“ ist es, glaube ich, die für Karl May den Weg bahnte zu seiner „schriftstellerischen Revolution“, also zu seinen offenkundig symbolischen, nach 1899 geschriebenen Werken (der gegenwärtige Roman entstand 1891-2).   und was May in Im Lande des Mahdi I ebenso erfolgreich kombiniert, wie Action und Comedy, ist seine übliche Selbstherrlichkeit mit seiner ebenso charakteristischen (von der Literaturkritik jedoch schändlich unbeachteten) Selbst-Ironie; diese Mischung ist in Ansätzen auch in den schlechtesten Werken Mays vorhanden – jedoch eine solch hinreißende Harmonie von überheblichem und selbstironischem Karl May, wie eben in diesem Buch (und exemplarisch im gegenwärtigen Zitat), habe ich selten erlebt!!!!!   [Nachtrag aus dem Jahr 1999, als ich diesen Roman bereits zu Ende gelesen habe: May ist sich in diesem Band in großem und ganzem treu geblieben, bis zum Ende.   das heißt: Im Lande des Mahdi I kann berechtigt ein Meisterwerk genannt werden.   und trotzdem würde ich es zu den kleineren Meisterwerken Mays zählen – also nicht zu den Allerbesten wie Winnetou I, Durchs wilde Kurdistan oder Mein Leben und Streben.   was erfreulich ist: inzwischen habe ich auch den zweiten Teil der Trilogie Im Lande des Mahdi gelesen; und dieser scheint mir noch besser, noch gediegener, noch hinreißender zu sein (abgesehen von einer kleinen Flaute zu Anfang des Bandes), als der gegenwärtige erste Teil – Im Lande des Mahdi II kommt fast an Winnetou I heran!!!   es bleibt abzuwarten, ob der dritte und abschließende Teil der Reihe dieses Höchst-Niveau halten kann; aus meinen Kindheitserinnerungen, das heißt aus einer damals gelesenen und wahrscheinlich schlechten Übersetzung, ließe sich vermuten, Im Lande des Mahdi III könnte der Höhepunkt schlechthin werden!!!]   [wurde es aber nicht!!   (Nachtrag aus dem Jahr 2000:)   Im Lande des Mahdi III ist einer der schlechtesten Romane, die ich je von May gelesen hab.   wie schon Winnetou II und Winnetou III scheint Im Lande des Mahdi III eines jener Werke zu sein, die man vielleicht als Kind noch mögen kann, die aber für einen Erwachsenen in dieser oder jener Hinsicht unerträglich sind: für die Reifgewordenen sind sie keine ernstzunehmende Literatur mehr.   (Im Unterschied etwa zu den für jedes Lebensalter hervorragenden Mahdi II und Mahdi I, vom Spätwerk ganz zu schweigen!!)   das Unerträgliche an Im Lande des Mahdi III ist Folgendes: die ersten beiden Kapitel, 150 Seiten lang, gehören noch zum hervorragenden zweiten Teil der Mahdi-Geschichte; diese beiden relativ kurzen Kapitel sind unbedingt zu empfehlen.   sie sollten auch daher, meiner Meinung nach, künftig wieder mal zusammen mit dem zweiten Teil Mahdis verlegt werden – nicht mit dem misslungenen Rest des III. Bandes.   denn die ersten beiden Bände, sowie die ersten beiden kurzen Kapitel des heutigen III. Mahdi-Bandes, entstanden zur selben Zeit, und erschienen alle in der Hausschatz-Zeitschrift, genau in zwei Jahrgängen dieser Zeitschrift in jeweils 52 Wochenausgaben, und zwar in den Jahrgängen 1891/2 (Mahdi I) und 1892/3 (Mahdi II).   die gräßlichen und überlangen Kapitel 3 und 4 des III. Mahdi-Bandes entstanden, dagegen, erst drei Jahre später, in 1896, sind nie in der Hausschatz erschienen und wurden direkt für die Buchausgabe geschrieben.   zusammen betragen die beiden überflüssigen Kapitel 350 monumentale Seiten, die meisten davon langweilig oder empörend schlecht: siehe hierzu eine Auswahl von schlechtesten Zitaten!!!   zwar gibt es auch in Im Lande des Mahdi III viele interessante und gute Textstellen, doch insgesamt war der Roman eine große Enttäuschung für mich, und das Gegenteil davon, was ich erwartet hatte...   (vergleiche hierzu die Anmerkung zu Seite 89!)]
  17. Vgl. vorangehendes Zitat
  18. in Im Lande des Mahdi I bricht Karl May ein Klischee nach dem andern: während von der Literaturkritik Karl May stets die „Schwarz-Weiß-Schilderung“ seiner Figuren vorgeworfen wird – ist dieser Roman schon von Anfang an voll von Widersprüchen, auch gerade in der Charakterschilderung (zum Beispiel der Reïs Effendina in den Zitaten von Seiten 131, 138, 148; Selim im Zitat von Seite 240...)!!!!!   jeder weiß, wie Karl Mays Erzähler in den früheren Romanen einen Menschen immer unfehlbar nach dem ersten Eindruck beurteilt, bloß nach dem Gesicht und der Physiognomie – nun, dieser Fakir hier ist ein glänzendes Beispiel dafür, dass auch der vermeintlich „arrogant-übermenschliche“ Erzähler der Karl-May-Romane voll daneben liegen kann!!!!! (vergleiche hierzu Zitat von Seite 424, viel später in dem Roman; sowie die früheren Schilderungen in den Zitaten von Seiten 232 und 237!!!   vergleiche auch das wichtige Zitat von Seite 291f in Im Lande des Mahdi II sowie die dazugehörige Anmerkung.)   – dabei gehört Im Lande des Mahdi I zur „klassischen“, traditionellen, von der Literaturkritik verabscheuten Schaffensperiode Mays – keineswegs zu den auch von ihr beachteten symbolischen Spätwerken!!!!
  19.  !!!!; dies ist wahrhaftig ein vor Energie strotzender Satz.   und die (vermutlich ungewollt) symbolische, wohltuende Bedeutung dieser Szene wird wohl niemand bestreiten?!?!   zur Hoffnung und zum Nicht-Aufgeben in schwierigen Lebenslagen vgl. Im Lande des Mahdi II, Zitate von Seiten 412 und 464; Im Lande des Mahdi III, Zitate von Seiten 95, 96f., 114.   zur Quelle von Kara Ben Nemsis »Energie« vgl. das viel weniger gelungene, stark missionarisch getünchte Zitat von Seiten 290–292 in Im Lande des Mahdi III.
  20. dass „Wüste“ hier auch symbolisch zu verstehen ist, halte ich für unbestreitbar, ja notwendig; May hatte also nicht die Unwahrheit gesagt, als er behauptete, auch seine noch im 19. Jahrhundert erschienene Reiseerzählungen (wie Im Lande des Mahdi I oder Winnetou I) seien eigentlich Symbolromane: sie sind einer symbolischen Deutung fähig!!!!   jedes große Literaturwerk ist auch mehr oder weniger symbolisch im Charakter: denn unser ganzes, von großer Literatur getreu widerspiegeltes Leben mit seinen alltäglichen Gegebenheiten, symbolisiert in jedem Augenblick etwas, das dahinter steckt...!!!   große Literaturwerke zeigen uns eben verschlüsselt, was es ist, was sich hinter alltäglichen banalen Lebensereignissen vebirgt.   im konkreten Fall dieses May-Zitats dürfte man etwa so interpretieren: Wüste = (Symbol für) Workaholism, harte, unermüdliche, ausdauernde und schonungslose Arbeit (einschließlich Arbeit an sich selbst) als Lebensstil!!!!
  21. Siehe Anmerkung zu Seite 372
  22. Vgl. Anmerkung zu Seiten 257+282
  23. vgl. Zitat von Seite 492 in Im Lande des Mahdi II, sowie Zitate von Seiten 47f, 96f und Ende des Zitats von Seite 258f in Im Lande des Mahdi III
  24. Vgl. vorangehendes Zitat
  25. d. h. überhaupt nicht!!!!!   (in Im Lande des Mahdi III, vgl. Zitat von Seite 244f und die Schwurverweigerung im Zitat von Seiten 182–185; siehe auch Anmerkungen zu Seiten 244f – erste, zweite – dort)
  26. diese und die folgenden eckigen Klammern: Originalfußnoten Karl Mays
  27. Vgl. vorangehendes Zitat
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