Difference between revisions of "Talk:Im Lande des Mahdi I"
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| + | Ich war schon jetzt, noch ehe ich den Grauschimmel sah, vollständig überzeugt, daß man ihn nicht richtig zu behandeln verstand. Selbst der feurigste Araberhengst ist, wenn man ihn zu nehmen weiß, fromm wie ein Kind. Warum sollte gerade dieser hier eine Ausnahme machen! <span class="par">¶</span> | ||
Revision as of 13:36, 17 August 2008
Kapitel 1 (Seite 49) <ref>Zitiert wird nach der Historisch-Kritischen Ausgabe (HKA) dieses Werks im Haffmans Verlag (1996). Der Text hat 542 Seiten in dieser Ausgabe. Gelesen von Faterson wurde das Buch 1998 (zum zweiten Mal, erstmals auf deutsch). Die erste Fassung dieser Zitatesammlung erschien 1998/9, neu erfasst fürs Internet wurde sie im Dezember 2000; im Juli 2008 erfolgte der Umzug dieser Zitatesammlung ins heutige Wiki-Format. Andere Leser und Besucher dieser Webseiten sind nun aufgerufen, diese Sammlung mit ihren eigenen Lieblingszitaten aus Im Lande des Mahdi I zu erweitern!</ref>
¶ Sollte dieser Mann vielleicht Abd el Barak sein? Gewiß! Er kam, um die Einnahmen der Kinder zu revidieren. Ich horchte gespannt nach hinten; es war, als sagte mir eine Ahnung, daß ich jetzt gebraucht werde. Ich fragte mich nicht, ob ich ein Recht oder gar eine Pflicht besäße, mich gegebenen Falls einzumischen; es war wie ein Naturgesetz in mir, dem ich mich zu überlassen hatte. ¶
--Faterson
S. 53
¶ Was nun geschehen sollte, das fragte ich mich nicht; ich hatte gehandelt, wie der Augenblick es erforderte, und wie ich es für richtig und meiner würdig hielt; die Folgen mußte ich natürlich auf mich nehmen, doch war mir vor ihnen nicht allzu bange. ¶
--Faterson
Kara Ben Nemsi auf S. 58
¶ »Wer Heilung finden will, muß aufrichtig sein.« ¶
--Faterson
Kara Ben Nemsi (ib.)
¶ »Hier bin ich nicht Mann, sondern Arzt. Wer Hilfe finden will, darf sich nicht vor meinen Augen scheuen.« ¶ <ref>der überlebensgroße Kara ben Jesus [Faterson]</ref>
--Faterson
S. 89
Und so sind sie alle, diese unwissenden <ref>Achtung! falls dieses eine Wort in dem Satz nicht drin wäre, hätte man Karl May sehr wohl bezichtigen können, er sei ein „christlicher“ Chauvinist!! zum Glück blieb diese Stelle die einzige auf diese Weise schlüpfrige, auf den 540 Seiten von Im Lande des Mahdi I...!!! [Nachtrag aus dem Jahr 2000: leider erwies sich May als „christlicher Chauvinist“ in den zwei missratenen, 350 Seiten langen und an die ursprüngliche Mahdi-Geschichte unsinnig angeleimten Abschlusskapiteln von Im Lande des Mahdi III: siehe hierzu die haarsträubenden Zitate aus Mahdi III in der Rubrik Mays schlechteste Zitate!!! jene Zitate sind im direkten Widerspruch zu Mays tolerantem Glauben, wie er wunderbar hier in Mahdi I oder Und Friede auf Erden! zum Ausdruck gebracht wurde; siehe hierzu das prächtige Zitat Reïs Effendinas in diesem Roman, im § 11!! tja, jeder Schriftsteller, auch der beste (und May gehört zu den allerbesten), schreibt ab und zu unsägliche, unerträgliche Dinge und produziert schlechte Literatur: May ist dies eben, leider, in den zwei überflüssigen Abschlusskapiteln von Mahdi III passiert... da hat er sich selber aus den Augen verloren und schrieb plötzlich, woran er selber kaum glauben konnte, wenn man das Zitat Reïs Effendinas (hier im § 11) oder Und Friede auf Erden! im Auge behält!!! (zum näheren Hintergrund des Missratens von Im Lande des Mahdi III vergleiche den neuesten Nachtrag [2000] zur Anmerkung #15 unten)] [Faterson]</ref> Moslemim, deren Frömmigkeit sich meist nur im gedankenlosen Herleiern einiger Gebete bethätigt, verbissene und verständnislose Menschen, welche mit Verachtung selbst auf ihre Glaubensgenossen herabsehen, falls diese nicht Mitglieder einer Verbrüderung sind. ¶
Kapitel 2 (Seite 101)
Sein [Murad Nassyrs] Verhalten zu mir war ganz gewiß auch mit die Folge eines gewissen Wohlwollens; das gab ich gerne zu; der eigentliche Grund desselben lag aber sicher in einer selbstsüchtigen Berechnung, die ich ihm freilich nicht übelnehmen konnte, da wir Menschen ja alle <ref>>> d. h.: einschließlich Kara Ben Nemsi, der Erzähler; dieser Auszug widerlegt wieder einmal die häufige, jedoch falsche Behauptung, der Erzähler in Karl Mays Werken sei ein „perfekter Übermensch“ !!!!</ref> mehr oder weniger Egoisten sind, wie jeder Aufrichtige gestehen wird. ¶
S. 123
Man soll den Menschen nicht nach dem beurteilen, was er ist, sondern darnach, wie er es geworden ist, dann wird manche Härte sich in Milde verwandeln, aber auch leider ebenso oft die Hochachtung sich in ihr Gegenteil verkehren.
Kara Ben Nemsi & Reïs Effendina auf S. 129
¶ »Nun, es giebt Schriftsteller, welche sehr gute Bücher schreiben, ohne dazu gute Titel zu finden, und umgekehrt giebt es andere, deren Kopf voller vortrefflicher Titel steckt, ohne daß sie eine gescheite Seite fertig bringen.«
»Das mag sein. Wie ist’s denn bei dir?«
»Wir haben in Deutschland eine Redensart, welche lautet: Rede, wie dir der Schnabel gewachsen ist! Verstehst du das?«
»Ja. Man soll offen und natürlich sprechen.«
»Gerade so schreibe ich.« ¶
S. 131
¶ Er [Reïs Effendina] sah mich von der Seite so gutmütig pfiffig an, daß ich fühlte, ich müsse ihn rasch lieb haben können. Er war kein bigotter Moslem; er besaß Lebhaftigkeit, Energie und Wohlwollen, wie ich beobachtet hatte. Das war kein träger, stumpfsinniger Orientale,<ref>vgl. Zitat von Seite 89</ref> der sein Nichts für etwas hält und nichts von Etwas wissen will. Ich wünschte wohl, die Reise mit ihm machen zu können. ¶
Reïs Effendina zu Kara Ben Nemsi auf S. 135
¶ »[...!] Du brauchst dich nicht zu genieren. Mein Nachbar hier ist mein Steuermann, und der Mann da mit der Peitsche mein Liebling, meine rechte Hand, welche alles thut, was ich befehle. Schon mancher Sklavenhändler und Sklavenbesitzer hat es auf seinem Rücken gefühlt, daß diese meine Hand schnell, willig und stark genug ist, meinen Wahlspruch auszuführen: Wehe dem, der wehe thut!« ¶
S. 135f
¶ »So bist du nicht auch Mitglied der frommen Kadirine?« fragte ich ihn [den Reïs Effendina].
»Nein. Ich bin überhaupt nicht Mitglied einer Bruderschaft. Muhammed war ein Prophet, und Johannes war ein Prophet. Allah ist die Liebe und die Gerechtigkeit, und dein Gott ist Allah. Wir Menschen sind alle Gottes Kinder; wir sollen einander lieben und gerecht gegen einander sein. Ich preise meinen Glauben nicht und schände keinen andern; ich mag nicht bekehren und lasse mich nicht bekehren. Meine Augen können nur das Irdische sehen und werden erst, wenn ich gestorben bin, das Himmlische erblicken. Warum soll ich darüber streiten, wer Gott in der rechten Weise anbetet? Wir sind eine einzige große Familie und haben einen einzigen Vater. Jedes Kind hat seine besonderen Gaben und Eigenschaften und spricht in seiner besonderen Art und Weise mit dem Vater. Gieb mir die Hand, Effendi! Du bist ein Christ, und ich bin ein Moslem; aber wir sind Brüder und gehorchen unserm Vater, weil wir ihn lieben!«
Er reichte mir seine Hand, und ich legte die meinige in dieselbe. <ref>ich behaupte: was hier Karl May den Reïs Effendina sagen läßt, sind in Wirklichkeit die Überzeugungen von – Karl May selbst!!!!! es sind jedoch solche Überzeugungen, die es Karl May als Schriftsteller nicht wagen kann, öffentlich zu verkündigen!!!!! Karl May war ja „ein evangelischer Volksschriftsteller“, noch dazu (in den Zeiten der Entstehung von Im Lande des Mahdi I) mit einer stark katholischen Leserschaft (im ›Deutschen Hausblatt‹, der Zeitschrift, in der der Erstdruck dieses Romans – in Fortsetzungen – erschien) – wie würden sich solche unorthodox religiösen Ansichten, wie jene eben hier vom Reïs Effendina wunderschön vorgetragenen, in einem solchen – ja, bigott evangelisch-katholischen – Milieu ausnehmen??!!!! deshalb, und nur deshalb, distanziert sich – recht ungeschickt – gleich im auf diesen Zitat folgenden Text der „eigentliche“ Erzähler (Kara Ben Nemsi, ergo Karl May) von dem hier vom Reïs Effendina Dargelegten; trotzdem ist es jedem Leser, der Karl May (vor allem den späten) gründlich kennt, völlig klar, dass Karl May nicht in jener Distanzierung, sondern eben hier, in den Worten des Reïs Effendina, aus vollem Herzen spricht!!!!! um dies zusammenzufassen: die Figur des Reïs Effendina dient Karl May dem Schriftsteller dazu, um durch sie solche Ansichten unverblümt an seine Leser zu bringen, die er ihnen durch Karl May als Handlungsfigur unmöglich vermitteln kann!!!! dies ist, nebenbei, ein weiterer Beweis, dass in Karl May sich nicht ausschließlich alles um die Figur des Erzählers dreht: in dieser Szene ist es eben der Reïs Effendina, der geistig überlegen ist – nur darf es Karl May der Schriftsteller nicht wagen, den Reïs Effendina auch offen als überlegen zu bezeichnen!!!!</ref> ¶
S. 136
Man ist nicht Lehrer, nicht Missionar durch Worte allein; man lehrt auch durch die That; ja die That wirkt oft mächtiger als das Wort, und zuweilen ist auch das Schweigen eine That, wenn auch nur eine That, welche Aergernis verhindert. ¶
Kara Ben Nemsi & Reïs Effendina auf S. 138
¶ »Also werden die Thäter bestraft werden?«
»Natürlich! Wehe dem, der wehe thut!« ¶ <ref>Vgl. Zitat von Seite 135</ref>
S. 140
¶ Der »Liebling« <ref>Vgl. zweiter Satz im Zitat von Seite 135</ref> wußte schon, was er in einem solchen Falle zu thun hatte; er fragte nicht, nicht einmal durch einen Blick, sondern strich ihm im Gefühle seiner Majestät, oder kürzer deutsch gesagt, seiner Peitschenoberlehensherrlichkeit die Karbatsche zweimal in solcher Weise über den Rücken, daß der Alte gewiß nicht wieder aufzubegehren wagte. ¶
S. 148
¶ »Schweig!« unterbrach er [Reïs Effendina] mich. »Das verstehe ich besser als du. [...]«
[...]
»Still!« unterbrach er mich abermals. »Ich weiß sehr wohl, was ich thue. Wehe dem, der wehe thut! Das ist der Grundsatz, nach welchem ich zu handeln pflege.« <ref>Vgl. Zitate von Seiten 135 und 138</ref> ¶
Kapitel 3 (Seite 155f)
Tausend und noch mehr Fragen mußte ich ihm [dem Reïs Effendina] beantworten; er war ein sowohl körperlich wie auch geistig reich begabter Mensch und begriff sehr leicht. Am leichtesten aber hatte er eingesehen, daß seine Kenntnisse sehr mangelhaft seien, natürlich dem Wissen eines Europäers gegenüber. Bei dieser Armut an realem Wissen war es freilich kein Wunder, daß ich jede seiner Fragen zu beantworten vermochte, und so kam es, daß er mich, was ich leider nicht verdiente, für einen Ausbund von Klugheit und Gelehrsamkeit hielt. Bei all dieser Hochachtung und den freundschaftlichen Gefühlen, welche er sichtlich für mich hegte, bewahrte er jene Zurückhaltung, welche dem Orientalen eigen ist, und die er seinem Range schuldig zu sein glaubte.
S. 172
Ich war schon jetzt, noch ehe ich den Grauschimmel sah, vollständig überzeugt, daß man ihn nicht richtig zu behandeln verstand. Selbst der feurigste Araberhengst ist, wenn man ihn zu nehmen weiß, fromm wie ein Kind. Warum sollte gerade dieser hier eine Ausnahme machen! ¶